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Die Akte Jane

Ridley Scott und die Frauen


Szene Ein Mann, der die Frauen liebt: Ridley Scott. Er hat Glück bei den Frauen. Der 1939 in South Shields, Großbritannien, geborene Ridley Scott gehört zu den wenigen Männern auf dem Regiestuhl, die sachlich und unverkrampft feministische Stoffe inszenieren, ohne in anbiederndes Bekennertum zu verfallen.

Vor nunmehr sieben Jahren schickte er Susan Sarandon und Geena Davis in "Thelma & Louise" auf einen Road-Movie-Trip durch das von männlicher Machtsymbolik beherrschte amerikanische Hinterland und schenkte seinen Heldinnen einen visionären Ausbruch in Freiheit und Selbstverwirklichung. Das kontrovers diskutierte Outsider-Abenteuer ("Ein chauvinistischer Schweinefilm", People Weekly, "Der `Butch Cassidy und Sundance Kid' von heute", Film Review) brachte Scott eine Oscar-Nominierung ein.

Die Trophäe ging zwar an einen anderen - aber Ridley Scott, bislang eher für visuelle Virtuosität denn erzählerischen Feinschliff gelobt, war auf den Geschmack gekommen: "Der Film war ein Wendepunkt", sagt der 58jährige Ex-Dokumentar- und Werbefilmer, "mir wurde deutlich, daß Kino Erziehungsarbeit für Erwachsene leisten muß, so wie die Sesamstraße für Kinder."

Sein neuer Film DIE AKTE JANE symbolisiert die konsequente Fortentwicklung von "Thelma & Louise": Einmal mehr wird die in Sonntagsreden so gern beschworene Gleichberechtigung der Geschlechter am Grad ihrer realen Akzeptanz gemessen. Eine Frau dringt in eine archaische Männerbastion ein und kämpft auf fremdem Territorium mit ureigenen Waffen gegen Vorurteile und Standesdünkel von gestern. Sie heißt Jordan O'Neil und ist eine gar nicht so weit entfernte Verwandte von Sigourney Weavers Officer Ripley aus der "Alien"-Saga. Sowohl Jordan als auch Ripley definieren sich über physische Stärke und wachsen im Augenblick der Gefahr über sich hinaus. Es sind keine glamourösen Rollen. Sie verlangen Zähigkeit und Durchhaltevermögen - Eigenschaften, die nach der Erfahrung von Ridley Scott eher bei Frauen als unter dem angeblich so starken Geschlecht zu finden sind.

"Ich hatte mit starken Frauen nie ein Problem", sagt Scott, der von seiner heute 92jährigen Mutter allein erzogen wurde. "Während des Zweiten Weltkriegs war mein Vater bei der Armee. Meine Mutter war der Boss. Meine beiden Brüder und ich tanzten nach ihrer Pfeife. Auch später im Filmgeschäft war ich ständig mit Frauen konfrontiert, die an entscheidenden Positionen saßen. Ich weiß nicht, warum es so ist, aber Frauen sind generell gesprochen sehr viel urteilsfähiger als Männer. Sie vertrauen der Kraft ihrer Intuition, eine Gabe, die unter Männern leider eher begrenzt vorhanden ist."


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